Angesichts der Umbrüche in der Arbeitswelt gewinnen Weiterbildung und Wissenstransfer immer mehr an Bedeutung. Ältere Mitarbeitende bringen wertvolles Erfahrungswissen mit, während jüngere Beschäftigte digitale Kompetenzen und frische Perspektiven einbringen. Die RKW-Unternehmensbefragung zeigt, dass Unternehmen von dieser Kombination enorm profitieren können. Durch arbeitsplatznahe Qualifizierung in altersgemischten Teams lassen sich diese Stärken gezielt zusammenführen. So entsteht eine Win-Win-Situation: die Mitarbeitende unterschiedlichen Alters lernen voneinander, entwickeln gemeinsam Lösungen und tragen zur Optimierung betrieblicher Prozesse bei. Doch wie funktioniert dieses Konzept genau, und wie können Unternehmen es erfolgreich umsetzen?
Arbeitsprozessbezogene Weiterbildung: Lernen und Optimieren verknüpfen
Arbeitsplatznahe Qualifizierung ist eine praxisorientierte Form der Weiterbildung. Sie setzt an den betrieblichen Prozessen und Arbeitstätigkeiten an. Lernen und Prozessoptimierung sind direkt miteinander verknüpft. Diese Form der Weiterbildung eignet sich für eine Vielzahl betrieblicher Themen, wie z. B.:
- Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen Abteilungen.
- Erhöhung der Energie- und Materialeffizienz.
- Unterstützung von Digitalisierungsprojekten, sei es in der Produktion, bei kaufmännischen Prozessen oder der Unternehmenssteuerung.
Ein wesentlicher Vorteil ist die aktive Einbindung der Mitarbeitenden: Lösungen werden nicht "von oben" vorgegeben, sondern im Team erarbeitet. So können Mitarbeitende ihre praktischen Erfahrungen einbringen, ihren eigenen Qualifizierungsbedarf erkennen und sich mit neuen Anforderungen vertraut machen.
Selbstorganisiertes Lernen: Praxisnah und selbstbestimmt
Ein zentraler Baustein arbeitsplatznaher Weiterbildung ist die Selbstorganisation der Teams. Die Projektmaßnahmen und Arbeitsschritte werden nicht "von oben" vorgegeben. Vielmehr legen sie eigenständig fest, wie sie ihre Projektziele erreichen. Dabei führen die Mitarbeitenden eine ganze Reihe von interessanten und anspruchsvollen Tätigkeiten selbständig durch und geben Impulse für Neuerungen. Sie
- identifizieren Schwachstellen im Betrieb und ermitteln Gestaltungsbedarf,
- suchen Problemlösungen und entwickeln Ideen,
- reflektieren und ermitteln eigenen Wissens- und Lernbedarf,
- tauschen über den eigenen Arbeitsbereich hinaus ihr Wissen und ihre Erfahrungen mit ihren Kolleginnen und Kollegen aus
- stimmen sich (auf Augenhöhe) mit Vorgesetzen und Kollegenschaft über organisatorische Frage ab.
- legen das Projektvorgehen inklusive der Qualifizierungen fest,.
Altersgemischte Teams, die Bewährtes und Neues zusammenbringen, sind besonders gut geeignet, um unterschiedliche Wissensbestände zu nutzen und passende innovative Lösungen für den Betrieb zu finden. Die starke Praxisorientierung und die schnelle Anwendbarkeit des Wissens bieten starke Lernanreize. Die Kompetenzgewinne für alle Beteiligten sind vielfältig.
Lernbegleitung: Unterstützung für den Projekterfolg
Obwohl arbeitsplatznahes Lernen stark auf Eigeninitiative setzt, ist eine professionelle Lernbegleitung essenziell. Lern-Coaches, interne Fachleute oder externe Expertinnen und Experten begleiten die Teams, helfen bei Herausforderungen und liefern benötigtes Know-how. Diese Unterstützung stellt sicher, dass die Projekte effizient vorankommen und die gesetzten Ziele erreicht werden.
Altersgemischte Teams: Erfahrungen + neue Ideen
Die Kombination von Jung und Alt in altersgemischten Teams bringt zahlreiche Vorteile.
- Ältere Mitarbeitende: Sie verfügen über tiefes Erfahrungswissen, technisches Fachwissen und Intuition, die bei der Lösung komplexer Probleme entscheidend sind.
- Jüngere Beschäftigte: Sie bringen digitale Kompetenzen, frische Perspektiven und Innovationsgeist mit und treiben Zukunftsthemen voran.
Durch die Zusammenarbeit von Alt und Jung findet ein gegenseitiger Austausch statt, der nicht nur die Fachkompetenz fördert, sondern auch den Zusammenhalt im Team stärkt. So wird die Erfahrung der Älteren gewürdigt. Auch sind sie aktiv an betrieblichen Neuerungen beteiligt. Die Jüngeren können wiederum ihr Potenzial entfalten, an Reputation gewinnen und sich im Betrieb weiter „einleben“.
So führen Sie arbeitsplatznahe Qualifizierungen erfolgreich durch
Die Impulse für ein Projekt, das Qualifizierung mit Verbesserungen verknüpft, können von mehreren Seiten kommen: Sie können von Beschäftigten stammen, die Prozesse verbessern wollen. Sie können in der betrieblichen Kommunikation entstehen, etwa wenn man sich gemeinsam über Missstände ärgert. Auch die Geschäftsführung kann das Projekt initiieren, zum Beispiel, um die Einführung einer KI-Anwendung. Dann sollte das Management den Beschäftigten freilich weitreichende Spielräume bei der Durchführung des Projekts geben und konsequent auf Beteiligung setzten. Dies im Blick sollten Sie Methoden des Change Managements anwenden. Ein strukturierter Ansatz könnte so aussehen:
- Projektteam bilden: Gewinnung der Mitarbeitenden und Festlegung des Projektauftrags. Altersgemischte Teams gegebenenfalls auch aus unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern sind zu empfehlen.
- Bestandsaufnahme und Zielsetzung: Analyse der Ausgangssituation, Austausch von Erfahrungen und Definition von Verbesserungszielen.
- Planung: Entwicklung eines Zeitplans, Qualifizierungsmaßnahmen und Bereitstellung der nötigen Ressourcen. Hierbei ist die Abstimmung des Vorgehens im Betrieb erforderlich.
- Umsetzung: Einführung und Erprobung von Neuerungen, Durchführung von Qualifizierungen.
- Evaluation: Kontrolle der Ergebnisse, Feedback von den Mitarbeitenden einholen und Anpassungen vornehmen.
Erfolgsfaktoren für Ihr Projekt
Damit arbeitsplatznahe Weiterbildung gelingt, sollten Sie den Rahmen optimal gestalten:
- Ziele und Inhalte kommunizieren: Sorgen Sie für Transparenz im Unternehmen.
- Materielle Ressourcen bereitstellen: Stellen Sie ausreichende und gut geeignete Arbeitsmaterialien, Technik und Räumlichkeiten zur Verfügung.
- Lernbegleitung organisieren: Planen Sie Beratung und Coaching ein.
- Zeitliche Spielräume schaffen: Geben Sie den Teams ausreichend Zeit für die Projektarbeit.
Fazit: Investieren Sie in arbeitsplatznahe Qualifizierungen
Arbeitsplatznahe Qualifizierungen bieten Unternehmen eine Vielzahl an Vorteilen: Sie sind praxisnah, kosteneffizient und stärken die Zusammenarbeit im Team. Altersgemischte Teams bringen dabei verschiedene Perspektiven zusammen und entwickeln beim Austausch von Wissen innovative Lösungen. Indem Sie Kompetenzentwicklung und Prozessoptimierung miteinander verzahnen, sichern Sie nicht nur die Zukunft Ihres Unternehmens, sondern fördern auch den Zusammenhalt in Ihrer Belegschaft.
Dieser Beitrag steht in Zusammenhang mit unserer Praxishilfe: „So gelingt eine gute Zusammenarbeit der Generationen“. Hierzu haben wir zwei weitere Veröffentlichungen: • Der Beitrag „Attraktive Arbeit für Jung und Alt“ zeigt, dass die Generationen die gleichen Erwartungen an ihre Arbeit haben. Ein gemeinsames und ganzheitliches Vorgehen ist gefragt. |
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