Die Auswirkungen der Digitalisierung sind sowohl in der Arbeitswelt als auch im Bewusstsein der Menschen angekommen. In einer aktuellen Studie meinen 91,8 Prozent der befragten Führungskräfte und Mitarbeiter, dass die Digitalisierung einen erheblichen Einfluss auf den Mittelstand nimmt (ias-Studie: Die deutsche Wirtschaft und die Digitalisierung). Die Mehrheit der Befragten (87,5 Prozent) glaubt, dass die Leistungsfähigkeit ihres Unternehmens durch die Digitalisierung zunehmen wird. Arbeitsabläufe werden einfacher, Zeit und Kosten werden gespart, Flexibilität und Produktivität gesteigert. Klingt doch super! Allerdings: 36,4 Prozent der befragten Personen rechnen gleichzeitig mit negativen Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Jeder vierte Arbeitnehmer sorgt sich um den eigenen Arbeitsplatz. Wo also geht die Reise hin? Wie sieht unsere Arbeitswelt von morgen aus? Was passiert mit dem arbeitenden Menschen? Dient die Technik dem Menschen oder wird das Gegenteil der Fall sein? Fragen über Fragen und noch keine abschließenden Antworten. Zwar können wir heute schon verschiedene Szenarien über die Zukunft der Arbeitswelt entwickeln, sichere Aussagen erscheinen allerdings sehr schwierig. Ganz sicher ist aber, dass Unternehmen und Mitarbeiter die Reise in eine menschengerechte Arbeitswelt nur gemeinsam gestalten können.
Teilhabe schafft die Basis
Zu den wichtigsten Führungsaufgaben in Zeiten der digitalen Transformation gehört die frühzeitige Beteiligung der Mitarbeiter an den Veränderungen. Sie schafft die Grundlage, dass der digitale Wandel als Chance gesehen werden kann. Somit kann Ängsten und Unsicherheiten wirksam vorgebeugt werden. Die Nutzung des vorhandenen Know-Hows, etwa der sogenannten „digital natives“, und der bewusste Aufbau von weiteren erforderlichen digitalen Kompetenzen sind dabei wichtige Bausteine. Eine intelligente prozessorientierte Arbeitsorganisation, flache Hierarchien und daraus resultierend mehr eigenverantwortliches Handeln unterstützen Flexibilität und effiziente Arbeitsabläufe in den Unternehmen. (Alters)gemischte Teams und Raum zum offenen Austausch können dazu führen, dass Wissen aufgebaut wird und nicht verloren geht.
Gesund und leistungsfähig in die Zukunft
Kurz gesagt: Wer will, dass seine Belegschaft gesund und leistungsfähig bleibt, muss die potenziellen physischen und psychischen Belastungen, die mit der Einführung neuer Technik einhergehen, kennen und möglichen Gefährdungen frühzeitig mit geeigneten Maßnahmen begegnen. Durch das mobile und flexible Arbeiten ist es heutzutage möglich, ortsunabhängig und in Echtzeit zu kommunizieren – ganz nach dem Motto „arbeite wann und wo du willst“. Die daraus entstehende Flexibilität und selbstständige Gestaltung der Arbeitszeit soll eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen; zwischendurch eine Runde joggen und auch die Kinderbetreuung lassen sich Dank der Freiräume optimal mit dem beruflichen Alltag in Einklang bringen. Doch birgt ein „always-on“ auch das Risiko, dass die Arbeit entgrenzt wird, dass Mitarbeiter in ihrer Freizeit arbeiten und die notwendigen Erholungspausen nicht ordnungsgemäß einhalten.
Die betrieblichen Akteure
Für die Unternehmensführung bzw. Führungskräfte ergeben sich anspruchsvolle Aufgaben. Über ihr fachliches Können hinaus müssen sie Kompetenzen entwickeln, die der Mitarbeiterorientierung dienen. Nicht zuletzt agieren sie, zum Beispiel was den Umgang mit mobiler Arbeit angeht, als Vorbilder.
Einen wichtigen Beitrag liefern der Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Betriebs- und Personalräte, die den Einführungsprozess einer neuen Digitalisierungsstrategie im Unternehmen aktiv begleiten und unterstützen. Sie sind zudem gefragt, dass die Digitalisierung nicht nur unter dem Gesichtspunkt der technischen Innovation, sondern ebenfalls unter dem Aspekt der Humanisierung der Arbeitswelt betrachtet und eingeführt wird. Denn auch in Zeiten des demografischen Wandels werden Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter immer wichtiger.
ias-Vorstand Dr. Peter Wrogemann bringt das Thema Gesundheit 4.0 in Zeiten der Digitalisierung in einem Satz auf den Punkt:
Unternehmen haben nur eine Möglichkeit, diesen Herausforderungen zu begegnen: Sie müssen die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Menschen, auf seine Gesundheit und auf seine Leistungsfähigkeit strategisch managen."
Fest steht, die Digitalisierung wird als Megatrend der kommenden Jahre angesehen und somit ist auch die Digitalisierung der Arbeitswelt noch längst nicht vorbei.
Unser RKW-Veranstaltungstipp
digital – flexibel – entgrenzt? Der Blick in die Zukunft
Erfahren Sie mehr zu dem Thema Digitalisierung der Arbeitswelt und Gesundheit, diskutieren Sie mit Experten aus Unternehmen, Wirtschaft und Politik und gehen Sie mit uns in eine digitale und flexible Arbeitswelt. Gemeinsam mit dem hessischen Ministerium für Soziales und Integration und der Stadt Frankfurt laden wir, das RKW Kompetenzzentrum, Sie herzlich zu unserer Veranstaltung „digital - flexibel - entgrenzt“ am 16. März 2017 im Römer in Frankfurt am Main ein.
Wir freuen uns auf einen spannenden Dialog: Es erwarten Sie sieben abwechslungsreiche Workshop-Sequenzen rund um das Thema Neue Arbeitswelt. Weitere Informationen zur Veranstaltung und zur Anmeldung.
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